Über 100 Fotos veröffentlicht – Zwischenstand der Kampagne „N-ergie & Co. zur Kasse bitten“

Seit über fünf Wochen sind AktivistInnen in verschiedenen Teilen Gostenhofs unterwegs – an Haustüren, Infotischen und auf der Straße. Immer mehr Kneipen, Parteien, Initiativen und Gruppen etc. unterstützen den Unterstützungsaufruf. Erste Aktionen auf der Straße haben stattgefunden – Zeit einen Blick zurück zu werfen und ein Zwischenstandsfazit zu ziehen.

Beginnen wir am Anfang
Mit der Kampagne „N-Ergie und Co. zur Kasse bitten“ haben wir, die organisierten autonomie und der Stadtteilclub „Reclaim Gostenhof“, uns zum Ziel gesetzt, die steigenden Energiepreise und die damit einhergehenden Belastungen für etliche Haushalte öffentlich zu thematisieren. Mit den Forderungen „Keine Nachzahlungen, keine Sperrungen! Energiepreise runter!“ wollen wir Druck auf die Verantwortlichen aufbauen. Der lokale Energieversorger N-Ergie steht dabei besonders im Fokus – auch weil hier eine Vielzahl politisch Verantwortlicher aus dem Nürnberger Stadtrat im Aufsichtsrat sitzen. Mit einem Foto-Protest sowie einer kleinen Befragung ausgehend aus dem Stadtteil Gostenhof wollen wir die Breite der Betroffenen abbilden und ein Thema, das bei vielen eher privat verhandelt wird, als gesellschaftliches Problem benennen.

Was also haben wir bisher getan?
Bereits im Januar organisierten wir eine Briefkastenverteilung in Gostenhof mit einem Flugblatt, das über die steigenden Energiekosten aufklärt und die kapitalistische Logik (mit unseren Grundbedürfnissen Profite zu machen) kritisiert, sowie auf die notwendige perspektivische Vergesellschaftung der Energiekonzerne hinweist. Darauf folgte eine Veranstaltung im Stadtteilclub Reclaim Gostenhof, auf der wir die Kampagne vorstellten und interessierte Menschen aktiv einbinden konnten.
Gostenhof wurde in Bereiche aufgeteilt und wir AktivistInnen strömten zuerst in den Westen des Stadtteils. Mit Wurfsendungen in Briefkästen kündigten wir uns an und zogen daraufhin bei etlichen Häusern von Tür zu Tür und Etage zu Etage. Wir begannen mit den Befragungen und veröffentlichten erste Fotos. Fast täglich erscheinen nun neue Fotos auf dem Instagram Account des Stadtteilclubs Reclaim und in regelmäßigen Abständen auf unserer Homepage. Plakate und Sticker finden sich nicht nur in vielen Läden und Kneipen sondern auch auf der Straße wieder. Auch in Kneipen und Läden konnten wir das Interesse vieler Menschen für die Befragung und unsere Protestfotos wecken. Parallel gab es Pressemitteilungen (1, 2)und ein Interview auf Radio Z. Während die NN das Thema nicht für wichtig zu erachten scheint, gibt es für die BewohnerInnen Gostenhofs großen Gesprächsbedarf und die Kampagne kommt im Viertel sehr gut an. Den Aufruf an Organisationen, Gruppen, Initiativen, Vereine, Gaststätten, Geschäfte und Läden zur Unterstützung der Kampagne unterschrieben mittlerweile die AG Wohnen des Sozialforums Nürnberg; Antifaaktionskneipe; Arsch & Friedrich Kneipenkollektiv; Deutsche Kommunististische Partei (DKP) Nürnberg; Ende Gelände Nürnberg; Linke Liste Nürnberg; Milch und Zucker; Mops von Gostenhof; Projekt 31; Prolos; Rosa Asyl; SDAJ Nürnberg.

Dem gleichen Muster folgend zogen wir dann in den Osten Gostenhofs. Mit Flyern in den Briefkästen kündigten wir uns an, organisierten einen weiteren Infostand und ziehen bis jetzt von Haus zu Haus, um mit unseren NachbarInnen an den Wohnungstüren ins Gespräch zu kommen.
Am 22.02 folgte dann der Lärmumzug durch Gostenhof. Rund 50 Menschen sammelten sich vor dem Sitz der N-ergie am Plärrer und zogen mit Rasseln, Töpfen und anderem Lärmmaterial durch Gostenhof.

In den ersten fünf Wochen konnten wir so über 100 Fotos veröffentlichen, haben etliche Fragebögen ausgefüllt und sind mit noch viel mehr Menschen ins Gespräch gekommen. An den Haustüren zu klingeln war für manche von uns eine große Überwindung, die sich aber definitiv gelohnt hat. Es sind unzählige spannende Gespräche entstanden, in denen wir uns mit unseren NachbarInnen über Energiepreiserhöhungen oder sogar Kündigungen austauschen konnten. In denen wir uns den Ärger über die Schließung des Kundencenters der N-Ergie und dem Abbau des Einzahlungsautomaten anhören konnten. In denen Frust abgelassen wurde über hohe Mieten, Gentrifizierung und niedrige Löhne und wir ganz praktisch feststellen konnten, wie ähnlich die Probleme sind, unter denen wir alle leiden. Die Gespräche haben uns gezeigt, dass wir ein Thema in den Fokus nehmen, das alle beschäftigt. Die viele positive Rückmeldung und die Offenheit motivieren uns dabei sehr. Jetzt heißt es, den Frust und die Unzufriedenheit auf die Straße zu tragen und sichtbar zu machen. Werde aktiv und beteilige dich an unserer Kampagne!
Mach ein Foto mit unseren Forderungen (Download gibt‘s auf unserer Website) und schick es uns zu!
Mach NachbarInnen und FreundInnen auf die Kampagne aufmerksam!
Achte auf Ankündigungen und komm zu Infoständen und Aktionen!